Gestaltung

Berufserprobung als Binnenschiffer

Ein Teilnehmer der Kulturwerkstatt konnte den spannenden Bereich der Binnenschifffahrt kennenlernen.
Das Logo der DDSG Blue Danube

Beitrag von Pierre, Kulturwerkstatt

Von 28.8. bis 5.9.2018 habe ich eine Berufserprobung im Lehrberuf Binnenschifffahrt bei der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft (DDSG) gemacht. Der Bereich, in dem die DDSG tätig ist, ist die Personenschifffahrt. Die Flotte besteht aus 6 Schiffen, die MS-Wien, die MS-Blue Danube, MS-Wachau, MS-Dürnstein, MS-Vindobona, und die MS-Admiral-Tegetthoff. Der Beruf nennt sich Binnenschiffer_in, weil es um die Schifffahrt auf den österreichischen Seen und Flüssen geht.

Ich war ein bisschen unsicher, da ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Aus diesem Grund war ich schon um 8 Uhr da, ging auf die MS-Wien (das Schiff, auf dem ich für die nächste Woche arbeiten würde). Ich ging hinauf, wo schon die Lehrlinge waren, die in den nächsten Tagen mit mir zusammenarbeiten würden. Sie wirkten relativ chillig, also stellte ich mich vor und fragte, was ich tun könnte. Die ersten Tätigkeiten waren Boden schrubben und Verpflegungskisten auf das Schiff transportieren (für den Beginn relativ angenehm).

Um 10:15 Uhr ließen wir die Passagiere einsteigen, ich bekam eine sogenannte Zähl-Uhr in die Hand gedrückt. Diese Zähluhr musste ich jedes Mal, wenn ein Passagier einstieg, drücken. Die Passagierzahlen in meiner Praktikumswoche variierten zwischen 50-150 Personen pro Fahrt. Sobald alle Passagiere eingestiegen waren, fuhr die MS-Wien los. Am ersten Tag setzte ich mich mit den Lehrlingen hin und fragte sie ein bisschen was über den Beruf.

Die Lehrzeit als Binnenschiffer_in dauert 3 Jahre. Die Bezahlung ist eher dürftig, im 1. Lehrjahr beträgt die Lehrlingsentschädigung € 487,- brutto (2. Lehrjahr € 631,- / 3. Lehrjahr € 818,-). Das Einstiegsgehalt eines ausgelernten Binnenschiffers_in beträgt ca. € 1.800,- bis 2.000,-.

In der Berufsschule werden den Lehrlingen die Bereiche Gewässerkunde, Schiffstechnik und Umgang mit den Kund_innen näher gebracht. Im Winter werden Maschinen gewartet, im Sommer sind die Lehrlinge auf den sechs DDSG-Schiffen in Wien und der Wachau unterwegs und erfahren, das Schiff zur Fahrt fertig zu machen, Maschinen und Anlagen an Bord zu betreiben und in Stand zu halten, Rettungs- und Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen und natürlich auch mit den Kund_innen gut umzugehen.

Eine Rundfahrt mit der MS-Wien dauert ca. zweieinhalb Stunden. In meinem Praktikum trug ich bei den Außentätigkeiten eine Schwimmweste. In meiner Praktikumszeit war fast immer Schönwetter, weshalb wir nach einigen Minuten Fahrt das Sonnendeck geöffnet haben. Danach gingen wir wieder hinunter, um die Durchsage zu machen, dass das Sonnendeck jetzt geöffnet ist. Es gab auch Durchsagen mit Infos zu den Orten an der Donau, die das Schiff passierte. Nach einiger Zeit kamen wir zur Schleuse Freudenau. Dort gibt es einen höheren und tieferen Wasserspiegel, und in der Mitte gibt es innerhalb der beiden Schleusen ein großes Wasserbecken. Je nach Richtung des Schiffes wird Wasser abgepumpt oder eingelassen. Die Lehrlinge gingen hinaus, um das Schiff fest zu machen. Das passiert mit einem Tau (dickes Seil), damit das Schiff nicht vom Ufer abtreibt. Der Seitenteil vom Schiff wurde mit gummiartigem Material abgedämpft, damit am Schiff keine Schäden entstehen.

Bei den Touren, die die DDSG anbietet, kommt man an der Sternwarte Urania vorbei, es geht durch das „grüne Wien“ mit den Wäldern des Praters, durch die Schleusen Nussdorf und Freudenau, entlang der Donauinsel und bis zur Reichsbrücke. Auch das „moderne Wien“ mit der Skyline der Donauplatte, dem Donauturm und dem Millennium Tower kann vom Schiff aus besichtigt werden. Im Donaukanal ist das „historische Wien“ und interessante Architektur zu erleben (Hundertwasser-Fernheizwerk Spittelau, Roßauer Kaserne, Ringturm, uvm).

Nach dem Ende der Touren, dem Anlegen des Schiffes und einem anstrengenden/coolen Praktikumstag wurden die Passagiere und auch ich entlassen. Mein Resümee: Alles in allem war das Praktikum cool, man hat als Binnenschiffer_in die Chance, viel am Wasser zu sein und auf dem Wasser zu arbeiten. Man kann viel lernen, und man sieht viel von der Welt.

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