In Doppelkonferenz mit mir selbst

Wie erleben die Mitarbeiter_innen und Jugendlichen bei spacelab persönlich ihren derzeit in Teleworking verbrachten Arbeitsalltag? In einer Reihe stellen wir einzelne Geschichten von spacelab in dieser außergewöhnlichen Zeit vor.

Beitrag von Mäx Lauscher, Teamleitung Offene und Aufsuchende Jugendarbeit (VJZ) bei spacelab_kreativ und spacelab_girls

Home Office also, was genau bedeutet das denn, denke ich mir noch immer jeden Tag, wenn ich aufstehe. Vielleicht Tagesstruktur daheim. Na gut. Aufstehen, Zähneputzen, Duschen, Tee. Geschafft. Und jetzt. Office, wenn schon zu Hause kann ja auch gemütlich sein. Also ab auf die Couch, Laptops und Handys begleiten mich. Nach ein paar Tagen, knapp bevor ich mit der Couch zu verwachsen beginne, weil ich ja vom selben Platz auch noch Serien in meiner Home Privacy schau, wandere ich doch 2 Schritte weiter zum Esstisch. Wo ich auch meine Pausen verbringe, mit eben Essen. Und weiter in mehrere Bildschirme gleichzeitig starre. Oder starren sie zurück, ich weiß es nicht. Irgendwie verschwimmen gerade so viele Dinge. Berufliches mit Privatem mit Zeit. Und dann gibt es da noch diesen verlängerten Arm in Küchen, Wohnzimmer, Private Home Offices von Menschen, von denen ich zum Teil nicht viel mehr als den Vornamen kenne. Und wieder mal denke ich mir… wieso hat die mein Bücherregal…Ich muss aufhören bei IKEA einzukaufen. Oder ich stelle mit Befriedigung fest, dass andere Menschen ihre Wäsche auch nicht gleich am ersten Tag abnehmen. Und ist da grad eine Katze durchs Bild gelaufen, oder war das gestern? Oder wars doch nur ein Tiervideo zur Psychohygiene. Verdammt, jetzt hab ich meiner Therapeut*in geschrieben, dass ich morgen den Monatsbericht schicke und meiner Leitung von meinem inneren Kind erzählt. So, die nächste Pressekonferenz geht los – bei so viel Kurz-Sichtigkeit muss ich meine Brille holen oder vielleicht doch besser ein wenig blurren. Für irgendwas müssen diese ganzen Apps ja gut sein. Oh, es ist dunkel draußen. Heißt das, der Abend fängt an oder dämmerts schon wieder? Licht ist mir jedenfalls nur eines aufgegangen – Das Private ist immer noch politisch – mehr denn je. Und statt all den Lebensretter*innen zu danken, ich wär ja fast versucht das mit kleinem „i“ zu schreiben wären eine faire Bezahlung und ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, die hier sind, tatsächlich lebensrettend. So, ich geh jetzt wieder die zwei Schritte zurück auf meine Couch, wo ich seit Neuestem ganz bestimmt nicht mehr für mich alleine sein kann.

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